Geschichte wird Geschichten
"Die ärgste Ersterfahrung war die krachende Kälte. Kaum waren sie aus dem Flugzeug ausgestiegen, schien jemand wie mit einer Frostmaschine gegen sie anzubrausen. René hatte den Eindruck, seine laufende Nase sei im Nu eingefroren, zumindest lief sie nicht mehr. Feeny dachte, ihre Augenbrauen seien wie Nadeln geworden und könnten abfallen. Alina hatte nur ihre Augen verdreht – sie hatte in ihrem Leben noch nie eine solche Kälte erlebt. Ja, sie wusste, was kalt ist, denn sie liebte es, in der koreanischen Sauna in Seoul nach einem Besuch der heißen Räume in den sogenannten Eisraum zu gehen – dort waren es minus 16 Grad. Doch was war das hier?" — Nicht alle Tage, Teil I

Der Anikazyklus
Longyearbyen war ein Traum, den wir uns erst spät im Leben erfüllen konnten – zu spät für eine von uns. Unsere Familie bereits auf drei geschrumpft; im Roman jedoch sind es noch vier. Dort darf weiterleben, was längst nur noch als Traum und Hoffnung fortbestand. Und doch waren es gerade Traum und Hoffnung, die diese Welt überhaupt erst entstehen ließen. Geschichten sind gelebte Geschichte, und Geschichte selbst entsteht erst durch die Geschichten, die wir leben.
Aus diesen Erfahrungen ist ein Zyklus von fünf miteinander verbundenen Romanen entstanden. In seinem Zentrum steht Anika, eine Historikerin, deren Suche nach der Vergangenheit allmählich zu einer Suche nach sich selbst wird. Archive verwandeln sich in Erinnerungslandschaften, historische Forschung in Begegnungen mit Liebe, Verlust, Freundschaft und Verrat. Jeder Roman kann für sich gelesen werden, doch gemeinsam bilden sie ein literarisches Universum, in dem Geschichte niemals nur Vergangenheit ist, sondern lebendige Gegenwart, die das Leben derer prägt, die es wagen, sie freizulegen.
