Schreiben
"Am Tisch zu sitzen, über das Meer in den sich unablässig wandelnden Himmel zu schauen, nachzudenken und Wort für Wort in ihren Laptop zu tippen, wurde wieder zu etwas Alltäglichem – und zu einer Weise, die Zeit zu nutzen, die ihr geschenkt war. Ihr Lächeln, ihr Kuss und ihre Einladung, mich neben sie zu setzen, brachten mich dazu, diese Zeilen zu schreiben und ein Gebiet zu erkunden, über das ich zuvor kaum nachgedacht hatte. Sie bestand darauf, dass das Leben ein Schwebezustand sei und niemand die Gelegenheit versäumen dürfe, diesen Augenblick eines Wimpernschlags zu erkunden, in dem dem Leben Sinn gegeben wurde." — Early Christianity and the Challenge of Writing History, 3

Anfangen
"Während ich mir zunächst noch unsicher war, scheint mir inzwischen, dass die Frage, wo wir mit Geschichte beginnen, ganz erheblichen Einfluss darauf hat, was am Ende aus ihr wird. Wenn ich Geschichte nirgendwo anders zu schreiben beginnen kann als jetzt, hier, in eben diesem Augenblick, in dem ich diese Zeichen, Wörter und Sätze in meinen Laptop tippe – ist dann das, was ich schreibe und lese, history, herstory, mystory, yourstory?
Wie wir wissen, ist „story“ lediglich die frühneuenglische Entsprechung dessen, was im Mittelalter „historie“, „estorie“, „istorie“ oder im Französischen „histoire“ hieß. Dass das Wort im Französischen wie bereits in seiner älteren lateinischen Form weiblichen Geschlechts ist, widersetzt sich nicht nur dem heutigen männlichen Charakter des englischen Wortes; wichtiger noch: Im Französischen wie im Lateinischen gibt es die moderne Unterscheidung zwischen „history“ und „story“ – oder im Deutschen zwischen „Geschichte“ und „Geschichten“ –, zwischen faktenbasiertem und fiktionalem Schreiben, überhaupt nicht.
Was ich im Folgenden vorschlagen möchte, ist daher eine positive Form des Präsentismus: eine, die die Unterscheidung zwischen history und story, zwischen history und herstory, zwischen history und mystory, schließlich zwischen mystory und yourstory überschreitet." — Writing the History of Early Christianity, 17


