
Nicht anders
als die Anderen
Roman
Nicht anders als die Anderen
Roman
von
Markus Vinzent
Anika-Zyklus Band 2
Kapitel 1: Erkundungen
Allein in Berlin
Anika starrte auf das Inserat. Was ich damals noch nicht wusste, sagte sie sich, wurde mir gegen Ende klarer: Dr. Tamar Serach, die Frau, deren Spuren ich in den Berliner Archiven folgte, hatte ihr Leben aufs Spiel gesetzt – mit einem einzigen Zeitungsinserat.
11. Oktober 1926.
Bis zu diesem Montagmorgen hatte Tamar sich gedulden müssen, mit Mühe. Wie aus dem Nichts kamen feste Schritte, nicht das Getippel ihrer Wohnungsnachbarin, auch nicht die schleppenden Füße des ältlichen Mieters von oben; sie glichen nicht den behutsamen Schleichbewegungen der neugierigen Portiere. Schon hob sich das Brettchen über der Postöffnung und ein ähnlich grauer Umschlag wie der in der vergangenen Woche mit der Gefährtin schob sich durch diesen.
Ungestümer als sonst griff sie nach dem Päckchen, traute sich nicht, die Tür zu öffnen und nachzusehen, ob ihre Nachbarin den Postbeamten beobachtet hatte, zog das Bündel darum langsamer in die Wohnung, als sie es gern genommen hätte. Noch bevor es auf dem Tisch zu liegen kam, hatte sie es längs aufgerissen und staunte heiß und zugleich ängstlich auf mehrere Kuverts, die aus dem geöffneten Umschlag herausragten.
Das erste Briefkuvert war noch dunkler grau als das Päckchen, aus dem sie es gezogen hatte, ohne Absender.
Eifrig schlitzte sie mit einem scharfen Messer am Rand entlang, überflog den abgekürzten Absender und zog ein Briefchen heraus, das sie zu lesen begann:
Gnädige Frau,
Ihr Insarat ist eindeutig. Frauen wie Sie kenne ich.
Diskretion ist für mich selbstverständlich. Den Ton gebe ich an – daran sind meine Freundinnen gewöhnt. Treffen nur bei mir.
Wenn Sie ernst meinen, was Sie schreiben, wissen Sie, was zu tun ist.
E.
Dr. Serach ließ den Zettel sinken. War das der Ton, den ihr Inserat hervorrief? Nein – dachte sie – so hatte sie sich die Zukunft nicht vorgestellt. Sie suchte doch keine Prostituierte, wollte nicht vom einen Lager ins andere wechseln.
Verunsichert nahm sie aus ihrer verschlossenen Schreibtischschublade den Inserattext hervor, den sie drei Tage zuvor aufgegeben hatte:
Selbst in Berlin kann man einsam sein. Deshalb sucht junge vollschlanke Dreißigerin, auf diesem Wege gesellschaftlichen Anschluß an berufstätige, dominierende Freundin. Off. 1419 Verl.
Tamar las das von ihr Getippte noch einmal leise durch. Stolz, sich überwunden zu haben, bebend und in Sorge, was sie losgetreten hatte und vor ihr liegen könnte. Ob sie überhaupt eine Reaktion auf dieses Wagnis bekäme, hatte sie sich gefragt. Nun lagen erste Ergebnisse vor ihr. Sie wagte nicht, das nächste Briefchen zu öffnen.
Die erste Antwort schob sie beiseite, auch die Hülle mit den weiteren Rückmeldungen. Setzte sich an ihren Küchentisch, griff ihre Tasse mit Tee, nahm wieder ihren Füllfederhalter und fuhr mit dem Brief fort, den sie unterbrochen hatte, als der Postbote den anonymen Briefumschlag durch die Wohnungstüröffnung gesteckt hatte. Sie wusste sofort, dass es die ersten Reaktionen auf ihr Inserat in der Gefährtin sein würden. Vielleicht war auch das neue Heft mit ihrem Inserat darin beigelegt.
Vor ihr lag der angefangene Brief, auf dessen Zeilen sie sich aber nicht konzentrieren konnte. Ihr Blick wanderte stattdessen zum Rand, zu diesem unscheinbaren Träger von Zukunftsbotschaften. Schlüssel? Sie überlegte, in welche Türen sie passen würden, geduckte, enge, noble, schnöde, blinde, gar verruchte? Ihre Gedanken schweiften in die Zukunft, wehrten sich dagegen, die verschiedenen Türen zu öffnen, piekten doch hinein, auf die hinter ihnen liegenden Korridore, die Wände, suchten nach deren Farben, spürten die Oberfläche der Tapeten, wurden neugierig auf die dort angebrachten Bilder, prüften, ob Originale oder Drucke, verglich verblasste mit leuchtenden, vermaßen Nähe und Ferne zur nächsten Tür, spürten plötzlich einen Zedernholzgeruch, dazwischen mischte sich Moschus, dann Zitronengras, die nächste Tür, die noble, überraschte sie mit einem Muff, den sie zuletzt im Schlafzimmer ihrer Großmutter erdulden musste.
Ob es nicht ungefährlicher sein würde, das Abonnement zu kündigen, fragte sie sich, und sich die jeweils aktuelle Nummer an einem Kiosk in Schöneberg zu erwerben, doch sie fürchtete, dass sie sich damit noch stärker der Gefahr aussetzte, entdeckt und angezeigt zu werden. Zu riskant in ihrer Position.
Etwas verloren, zugleich mit steigender Erregung setzte sie den Brief, den sie am schreiben war, fort, ohne dass sie Bilder und Gerüche abschütteln konnte. Las zunächst die bereits verfasste Eröffnung:
Lieber Tate,
auch wenn es noch nicht druckreif ist, wurde mir von meinem Vorgesetzten bei der Jahresabschlussbesprechung eröffnet, dass ich aufgrund meiner gewissenhaften Tätigkeit zu einer der ersten Polizeirätinnen Berlins und Preußens befördert werden würde. Man warte noch lediglich auf die schriftliche ministerielle Zustimmung, das Placet sei aber bereits mündlich erteilt worden. Wie bisher soll ich mich um die Kontrolle in den Bereichen Jugendkriminalität, Sittlichkeitsfragen, Frauen- und Mädchenfürsorge kümmern, doch käme als weiteres Gebiet hinzu die Ordnung der vom § 175 Betroffenen. Ich meine, Du und Mame, ihr dürftet wieder stolz auf diesen nächsten Schritt in meinem Leben sein.
Hier hatte sie sich unterbrochen, war fiebernd zur Tür gestürzt und hatte sich auf die Unwägbarkeit gestürzt. Und war erschrocken über ihre Ungestümtheit, die sie an sich nicht kannte. Auch nicht zulassen wollte.
Sie tauchte ihren Füllfederhalter in das vor ihr stehende Tintenfaß. Ließ die Feder abtropfen. Setzte an, als sie sich mit dem Federstrich befreunden konnte:
Die Mühe in meinem Jura- und Volkswirtschaftsstudium und die Plackerei mit meiner Doktorarbeit haben sich gelohnt – aber ohne Deinen Vorschlag, die Dissertation über Polizeiverwaltung und öffentliche Sittlichkeit zu schreiben, wäre es wohl kaum zur Möglichkeit einer solchen Beförderung gekommen. Du bist halt nicht nur Jurist und Verleger, sondern eben auch ein Prophet, der die Stimmung der internationalen Politik und der Berliner Verwaltung aus dem Effeff kennt.
A sheynem dank. Grüß mir Mame,
Deine Tamar
Sie las sich das Schreiben nochmals durch – auch wenn es nur wenige Zeilen waren, würden ihre Eltern nicht enttäuscht sein, trotz ihrer Sorge darum, dass sie noch immer keine männliche Beziehung pflegte und damit keine Aussicht auf eine eheliche Verbindung und Nachwuchs bot, sondern die Ungewissheit für ihre Eltern mit der neuen beruflichen Stellung eher erhöht würde.
Es war gewiss eine der großen Enttäuschungen, die sie ihren Eltern bislang bereitet hatte.
Ihr kamen Bilder aus ihren Zwanzigern vor Augen. In diesen Jahren hatten ihre Eltern mehrfach einen jungen jüdischen Unternehmer ins Haus gebeten, der mit Obstimporten aus Königsberg und Berlin ein florierendes Geschäft aufgebaut hatte. Dem Urteil ihres Vaters entsprechend verkörperte er die naheliegende Zukunft: zuverlässig, gebildet, aus gutem Hause – ein Mann, der zu Tamar zu passen schien und ihr die finanzielle Sicherheit gewähren könne, wenn sie sich dem Aufbau einer Familie anstelle ihres beruflichen Werdegangs widmen würde.
Tamar hatte sich dem Werben nicht entzogen, aber sich auch nicht darauf eingelassen. Nicht einlassen wollen. Als der erfolgreiche junge Mann schließlich von Verlobung sprach, erklärte sie ihm ruhig, aber nicht ohne Entschiedenheit, sie wolle zunächst arbeiten, vielleicht in die soziale Fürsorge gehen, jedenfalls nicht sofort Ehefrau und Mutter werden. Das müsse er verstehen und, wenn er auf eine Familie dränge, möge er sich besser jemand anderes suchen. Die Enttäuschung war groß, wenn auch nicht unüberwindbar, weil sie nach wenigen Wochen aus dem weiteren Familienkreis vernahm, dass sich eine andere junge Dame gefunden hatte, die dem Jungunternehmer zu dienen bereit war.
Für ihre Eltern war ihre Entscheidung schwer zu verstehen. Einen solch zukunftsweisenden, von ihnen vorbereiteten Lebensschritt auszuschlagen. Ohne mit ihnen Rücksprache gehalten zu haben.
Sie hoffte, dass sie durch die Briefzeilen ihrem Vater andeuten könne, warum sie so leben wollte und lebte, wie sie lebte. In einem Brief an ihre Schwester Lea klagte sie darüber, wie schwer es ihr fiel, dass die Mutter „die Fragen“ ihrer Doktorarbeit nicht interessiert hatte und ihr Vater lediglich juristische Feinheiten anmerkte und Druckfehler korrigierte, und sie beiden gegenüber „von dem anderen erst recht schweigen“ müsse. Sie schloss und verallgemeinerte: „Es ist traurig – das traurige Verhängnis zweier Generationen.“ Lea wusste offenkundig von der Neigung ihrer Schwester.
Schon war Tamar besorgt, wie sie es ihren Eltern erklären würde, sollte sie eine Antwort auf das Inserat erhalten. Am besten diese Frage jetzt nicht stellen, überlegte sie, sie schon gar nicht beantworten. Erst das Dienstliche. Das andere: später!
Ihr Leben schien zwei Meilenschritte in einem genommen zu haben.
Auch wenn es ihr schwer fiel, sich erneut ihrer polizeilichen Arbeit zuzuwenden, nahm sie sich einen Bericht vor, zu dem sie Stellung zu nehmen hatte:
Erlaubnisgesuch an den Polizeipräsidenten, Frauenkleider tragen zu dürfen – erneute Anfrage.
Im März 1922 wurde mir von einem Ihrer Beamten mündlich eröffnet, dass mir die Erlaubnis zum Tragen von Frauenkleidern aus ordnungspolizeilichen Gründen nicht erteilt werde und man sogar gegen mich einschreiten könne, wenn ich in Frauenkleidern betroffen werden sollte – doch wollte ich Sie darüber in Kenntnis setzen, was sich an diesem Wochenende in unserem Stadtteil ereignet hatte.
An dem Emblem über einem Tanzsaal hängend, wurde am Morgen eine korpulente Frauenfigur aufgefunden. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, daß es sich um einen Mann handelte, der in Frauenkleidern steckte … Die Ärzte sind der Ansicht, dass der Fremde den Selbstmord in einem Anfall von Geistesgestörtheit verübt hat – Geistesgestörtheit? Hätte man den Mordfall nicht ordnungspolizeilich verhindern können? Darum erneuere ich meine Bitte und Anfrage von vor einigen Jahren. Bitte gütlichst um positive Antwort.
Was sollte sie dem Polizeipräsidenten raten? Nach rechtswissenschaftlichem Verständnis sah sie keinen Hinderungsgrund für das Tragen von andersgeschlechtlicher Kleidung. § 175 betraf seit dem Reichsstrafgesetzbuch von 1871 nur die auf Männer beschränkte „widernatürliche Unzucht“, lediglich bei dem Verkehr „von Menschen mit Tieren“ waren auch Frauen mitgemeint.
Aus der juristischen Praxis kannte Dr. Serach nur Verurteilungen wegen beischlafähnlichen Handlungen von Männern. Sie verwies auf den bekannten Fall des Artisten Ernst Mittenstedt. Er sei zu seiner Verteidigung vor Gericht in Damengarderobe erschienen und die Kriminalpolizei habe von seiner Gewohnheit Kenntnis gehabt, ohne einzuschreiten. Überhaupt habe der damalige Leiter des Berliner Homosexuellendezernats, Dr. Behrend, darauf hingewiesen, dass das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts per Gesetz nicht verboten sei. Er stützte damit die von Dr. Magnus Hirschfeld eingeführte Bezeichnung für solche Praxis als Transvestie, wobei dieser darauf bestand, dass diese nicht zum Spaß oder zum Ausdruck von Homosexualität existierte, sondern Menschen sich so kleideten, wie es ihnen entsprach, auch wenn sie sich in einem falschen Körper fühlten.
In ihrem Gutachten führte sie auch den Berliner Erlass über die „Behandlung der sogenannten ‚Transvestiten‘“ an. Mit diesem 1922 veröffentlichten Schreiben wurden die Polizisten angehalten, solche Personen nicht grundlos zu verhaften. Sie führte an: „Sieht man von der männlichen Prostitution ab, so hat der Transvestizismus im Allgemeinen keine kriminelle Bedeutung. Die im Publikum noch verbreitete Meinung, dass es sich bei den verkleideten Personen um verkappte Verbrecher (Taschendiebe, Spione, Mädchenhändler usw.) handele, ist hinfällig.“ Nicht einmal als Homosexuelle dürften diese Menschen angesprochen werden. Sollten solche Menschen aufgegriffen werden, solle man sie registrieren, ihnen jedoch einen Transen-Schein aushändigen, wodurch ihnen bestätigt würde, dass „alles im seriösen Bereich lag“.
Was sollte an dieser Praxis auch falsch sein, fragte sich Dr. Serach. Wenn man sich an Fastnacht verkleiden konnte, warum nicht an anderen Tagen? Nutzte nicht die Polizei selbst Transvestie? Sie verwies auf den Fall, dass die Einsatzkräfte sich als Frauen verkleideten, wenn sie Täter in flagranti überwältigen wollten, die spätabends oder nachts älteren Damen im Berliner Stadtpark in Frauengewändern auflauerten, um sie zu überfallen und ihre Handtaschen und Geldbörsen zu rauben?
Ihr selbst wäre es nie in den Sinn gekommen, wie ihre Schwester Lea Männerkleidung zu tragen, war sie doch den ganzen Tag über gezwungen, im Büro formal aufzutreten. Dunkles, streng geschnittenes, enges Kostüm, hochgeschlossen, schmucklos – eine Uniform, ohne Uniform zu sein, die weniger von ihr zeigte, wer sie war, als dass sie verhinderte, wofür man sie halten konnte. Nicht männlich. Frau: ja. Verführerisch: nein. Polizei halt.
Noch etwas enttäuscht von der ersten Antwort auf ihr Inserat, wagte sie kaum, die weiteren Kuverts in die Hand zu nehmen und sie zu öffnen. Dann überkam sie jedoch eine Sehnsucht nach Unbekannt, die sie nicht bändigen konnte. Sie wollte aus dem Schlüsselbund den einen passenden Schlüssel lösen.
Griff nach dem nächsten grauen Los, dann wühlte sie die nächste Offerte aus ihrer Hülle heraus und zählte die Verbliebenen. Zwei – drei – vier – fünf. Noch sah sie Hoffnung, auch wenn sie fürchtete, dass diese mit jeder Zahl schwinden würde.
Sehr geehrte Dame,
ich habe Ihr Insarat gelesen, halte mich für geeignet, da ich berufstätig und zuverlässig bin. Über nähere Einzelheiten würde ich mich freuen.
Hochachtungsvoll
M. K.
Beim ersten Lesen wirkten die Zeilen gar nicht negativ auf sie. „Berufstätig“, „zuverlässig“ – das sprach sie an. Doch irgendwie klangen sie glatt, fast platt. Sie wollte keinen Spiegel ihres Dienstlebens. Sie suchte Widerstand, doch was sie vor sich hatte, wirkte spannungslos und ungebildet dazu.
Sehr geehrte Unbekannte,
das Wort „dominierend“ hat mich zögern lassen – und gerade deshalb schreiben lassen. Vielleicht meinen wir nicht dasselbe.
Vielleicht doch.
F.
Diesen Brief packte sie obenauf. Dass F. ihre Unsicherheit offenlegte, imponierte ihr. Auch dass sie das „dominierend“ ansprach, ein Element, das Dr. Serach bewusst platziert hatte.
Sehr geehrte Dame,
ich schreibe Ihnen nicht, weil ich es gewohnt bin, Verantwortung zu tragen –
auch für das, was andere an mich abgeben –,
sondern weil Verantwortung Grundlage von Freundschaft ist.
Wenn Sie antworten, schreiben Sie nur, wann.
C. W.
Dr. Serach war verwirrt – so viele Stimmen, sogar mehrere, die sie ansprachen. Von morgens bis abends musste sie im Büro, mit den Kollegen, den Delinquenten, den Vollzugsbeamten dominant umgehen, Aufträge erteilen, Festsetzungen anordnen. Mit Erfolg, wie ihre steile Karriere es ihr erwies.
Schloss sie am Abend die Tür hinter sich, wünschte sie, sich fallen lassen zu können, jemandem Vertrauensvollem die Zügel zu übergeben. Nähe drückte sich für sie darin aus, ganz umsponnen zu werden. Sie legte auch den Brief von F. zur Seite. Schwanken und Risiko waren nie etwas, das sie anzog, die Position in der Beziehung wollte sie nicht in der Schwebe lassen, sie nahm erneut C. W. zur Hand. Da lag kein Drängen, sie versprach nichts, sondern zeigte Bereitschaft zur Verantwortung.
Dr. Serach ordnete die Briefe wie sie sonst Akten hierarchisierte, an die erste Stelle legte sie C. W.
Mit ihrem Füllfederhalter schrieb sie, nicht ohne zweimal bei jedem Namenskürzel an- und abzusetzen:
Sehr geehrte C. W.,
Wie wäre es mit Freitag, 15. Oktober.
Sie hatte bewusst kein Fragzeichen setzen wollen, auch kein Ausrufezeichen. Sie wollte nur offenlassen – Wo? Der Stift stockte. Ihr fiel zuerst das Café Josty am Potsdamer Platz ein. Dort würden sie in der Menge von vielen Gästen sitzen: Geschäftsleuten, Einkaufskunden, Reisenden. Sie war schon oft allein dort, doch auch zwei Frauen an einem Tisch würden auffällig wirken. Sie würden gesehen, eventuell auch wahrgenommen werden. Sie könnten auch nicht einfach verschwinden. Ein halber Weg zwischen T. S. und C. W.
Sie verwarf den Gedanken, weil sie kein erstes Abtasten wollte, kein Spiel von Macht und Haltung. Mit dem Inserat hatte sie sich weit aus dem Fenster ihrer Wohnung und ihrer Lebensgewohnheiten gelehnt. Allerdings wollte sie ihre Sicherheitszone verlassen, sich jemandem aussetzen, die selbstsicherer auftreten könnte, als sie sich fühlen würde. Außerdem wollte sie enger, vielleicht sogar etwas intimer zusammensitzen als im Josty. Sie ergänzte:
Freitag, 15. Oktober, 17 Uhr.
Café Vaterland, Potsdamer Platz. Nebenraum.
Sie unterschrieb nicht mit vollem Namen.
T.
Erst nachdem sie den Brief gefaltet und in das Kuvert geschoben hatte, bemerkte sie, dass ihre Hand nicht mehr zitterte. Nicht aus Mut. Sondern weil sie eine Entscheidung getroffen hatte, mit der sie sich band. Gleich zu welchem Preis.
Der Angriff
Dr. Serach faltete Ihre Antwort auf C. W. Sie legte sie neben das Inserat, strich mit ihren Fingerkuppen über die von der Tintenfeder leicht eingezeichnete Spur im Papier. Folgte den Schwüngen ihrer Schrift, die gegen Ende hin zunehmend leicht, dann noch merklicher zurückhaltend wurden. War es ein Stöhnen, ein Seufzer oder nur ein Durchatmen? Sie schwankte zwischen Stolz und Selbstüberwindung. Was hätte sie in diesem Augenblick dafür gegeben, wenn sie hätte wissen können, was sie damit in Gang setzte. Nochmals ging sie ihren Schriftzügen nach und schrak leicht zurück, mit welchem Gewicht sie den letzten Punkt hinter das T gesetzt hatte.
Trotz hundert Jahre Abstand, als ich in Berlin vor diesen Inseratantworten saß und zugleich Tamars persönlichen Aufzeichnungen über diesen Moment las, konnte ich das Gewicht des Augenblicks nachempfinden, erst recht, weil mir vor Augen stand – welche Bedeutung ihr Schritt und ihr Eintreten für sie und C.W. und für mich heute hatte:
20. Januar 2025, Washington DC.
Schutz von Frauen vor Extremismus der Geschlechterideologie und Wiederherstellung biologischer Wahrheit in der Bundesregierung.
Ich las diese Zeilen – mehrmals, obwohl ich mir einige Monaten zuvor geschworen hatte, keine solche politische Literatur mehr zur Kenntnis zu nehmen und überhaupt mich der konstanten Berieselung von Propaganda nicht mehr auszusetzen. Aber im Licht von Tamars Geschichte drängte sie sich mir auf und ich wusste, dass ich mich davor nicht bewahren konnte. Zumal sich meine Lektüre von Tamar in meine Gegenwart hineinschrieb.
Aufgrund der mir durch die Verfassung und die Gesetze der Vereinigten Staaten von Amerika übertragenen Befugnisse … wird hiermit angeordnet …
Zwei Geschlechter. Unveränderlich.
Als hätte es Tamara, Hirschfeld und all die anderen nicht gegeben.
Als hätte niemand je darüber nachgedacht, dass Menschen anders leben könnten, als Staaten es verlangen.
Ich packte das Papier in ein Buch von Jakob Rosenhain, das vor mir auf dem Tisch lag. Der Streit um Körper und Geschlecht war älter als diese Regierung. Viel älter.
Mein Abendkleid hing vor mir. Lud mich ein. Es schmiegte sich zart an meine Haut, als ich es über mich streifte. Ich meinte, an einer anderen Haut entlang zu gleiten.
Valery hatte mir eine Einladung geschickt, typisch Englisch, auf Seidenpapier:
„An Anika von Valery“.
Sie wusste Sprache und Buchstaben zu formen. Um mich auf meine Verabredung mit Valery vorzubereiten schminkte ich mich passend zu den Farben des bis auf die Füße reichenden Satinkleids. Der Spiegel verriet, im Schritt war der Stoff geöffnet.
Als ich aus dem Bad heraustrat, fiel mein Blick ungewollte auf die schwarzen Zeilen des weißen Bogens, der mich zuvor beschäftigt hatte, das politische Geschreibsel, das mir wie billige Propaganda vorkam, weit entfernt davon, ein rotes Tuch zu sein, eher ein schäbiger Wisch eines untergehenden Anspruchs.
Wieso, fragte ich mich, während ich den Sitz meines Lippenstifts prüfte, will mich derjenige, dessen Macht sich an Frauenkörpern gerieben hat, vor Menschen schützen, die jenseits der binären Differenz von Mann und Frau leben, Frauen, die in einem männlichen Körper geboren wurden und doch – wie ich – als Frau empfinden? Wie kann ein solcher Mann von einem „Schutz von Frauen“ sprechen, wenn er meine Neigung auch zu Frauen verurteilt? Woher nimmt er seine „biologischen Tatsachen“?
Ich schüttelte den Kopf, nahm das Stück Papier und wollte Valery fragen, wie sie aus ihrer englischen Sicht bei dieser Entwicklung in den USA empfindet. Ob sie ihre geplante Konferenzreise nach Chicago in dieser politischen Situation noch antreten würde?
Ich kannte die Biografie von Dr. Magnus Hirschfeld, der schon Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich die biologische Veranlagung von Homosexualität beschrieben hatte und bereits damals gegen Behauptungen wie die des amerikanischen Pamphlets kämpfte. In seiner Lebensgeschichte war ich auf die Anfänge des Einsatzes gegen den § 175 in Deutschland gestoßen und gegen den vielleicht noch härteren, Frauen einschließenden § 129 in Österreich.
Ich legte den Text in das Buch von Hirschfeld und steckte beides in meine Tasche – reichlich Stoff für das Gespräch nach der Theatervorstellung, dachte ich. Wie zu Hirschfelds Zeiten, so das jetzige Amerika. Apparat: Akten, Diagnosen und Begriffe. In diesem Moment fühlte ich mich gedemütigt. Mich und Menschen vergangener Generationen.
Und doch hat es die Hirschfelds, Rosenhains, Hartungs gegeben, die mutig für Trans- und Zwischenmenschen eingetreten waren. Die Gesellschaft war schwarz-weiß, nicht allein von Konservativen, Radikalen oder, auf der anderen Seite, Linken und zwischen ihnen Bürgerlichen geprägt, wie mir die Welt zu Hause nahegebracht wurde.
Mir begegnete bei meiner Durchsicht der einschlägigen Veröffentlichungen der zwanziger Jahre eine andere Vergangenheit – eine Welle gerade in Deutschland, auch in Frankreich und England, die gegen Biedermeier und Künstlichkeit des Menschenbildes revoltierte. Führende Persönlichkeiten weigerten sich, ihre Körper wie von der Gesellschaft verlangt zu verbergen, sondern begriffen sie als Aufnahmebehältnisse der Heilkraft von Sonne und Wind, als Teil des Rhythmus der Natur. Natürliche Begeisterung stellte moralische Vorschriften in Frage, drängte Jugend und Erwachsene ins Freie, schuf Jugendbewegungen, die sich für Sport und für ein damit verbundenes Nationalbewusstsein einsetzten. Allerdings waren damit auch rassistische Vorstellungen verbunden, was mich verwunderte und besorgte.
Es erklärte mir nicht, wie solche Vorstellungen meinen Vater berauschen konnten, aber sie ließen mich ahnen, wie er aus der Jugendbewegung zu einer nationalen Begeisterung gelangte, die ihn Teil der Bewegung werden ließ. Ohne dass mir seine Geschichte in meiner Kindheit und Jugend von ihm oder meiner Mutter offen gelegt worden war. Im Schattendasein hatte diese Haltung wohl meine Brüder stillschweigend infiziert und sie darin bestärkt, sich mir gegenüber zu nähern, wie sie es taten.
Rassismus richtet sich immer auf Körper. Auf männliche – und noch mehr auf weibliche. Einen solchen Körper kennt jeder, man fasst ihn an, ist süchtig nach ihm, schlägt ihn, macht mit ihm, was man will und möchte dann noch über ihn triumphieren, ihn in einer Schublade ablegen und verwahren. Gerade weil der Körper mehr Symbolkraft hat als Aufmärsche und die sie säumenden Fahnen und Hymnen. Rassistische Bücher sind oft Körperbücher, auch Bilderbücher. Homosexuellenfeindlicher Rassismus macht sie zu Vexierbilderheftchen. Im Format der Zigarettenalben. Deutschland erwacht – ein Körperbild.
Himmler erklärte homosexuelle Männer zur Seuche und zur Gefahr für die „Volkskraft“. Frauen hingegen waren für ihn Brennstoff, der diese Volkskraft antreiben sollte, etwa in zehn der großen Konzentrationslager, in denen er von 1942 an Bordelle nicht für die SS, sondern für männliche Inhaftierte, die als Wachleute dienen mussten, einrichtete, das perverse Kombinat: Opfer der Opfer und für Opfer. Frauenbilder, die „mangelnde weibliche Reize“ zeigten, führten Himmler zufolge „den Männerstaat zur Homosexualität“. Das konnte man Dr. Tamar Serach, der wir noch näher begegnen werden, nicht nachsagen, auch wenn sie auf der Suche nach einer Partnerin war. Und doch gerieten Frauen wie sie nicht im selben Maß ins Visier wie homosexuelle Männer – auch wenn Frauen nie sicher waren. Erst recht, wenn sie Jüdischsein und Homosexualität in sich vereinten, waren sie den Nationalsozialisten des Teufels Hexen.
Hier halfen nichts als Hammer und Schläge.
Die Geschichte kennt dafür einen anderen Namen.
Mir kroch Macbeth in die Sinne, unter die Haut. Hexen leben weiter, länger als diejenigen, deren Leben sie skizzieren.
Tausendjährige werden oft nur wenige Jahre alt, morden sich selbst oder hängen am Galgen. Wer sich zum Mann macht, zum Führer aufschwingt, kriecht ins Versteck, richtet sich selbst oder wird, wie Nicolae Ceaușescu oder Muammar al-Gaddafi erschossen. Hier hilft kein Prophet: Wer für immer König wird, hat keine Königin an seiner Seite, es sei denn, sie hält den Dolch in der Linken oder die Schlange in ihrer Scheide.
Diese Lehre war keine theoretische, auch keine solche der Bühnenbretter Shakespeares. Die Nazibewegung hätte es aufgrund ihrer eigenen Realitäten wissen müssen, wie ich bald aus den Dokumenten lernen sollte.
Ich hatte mich in den vergangenen Jahren in die Geschichte des Nationalsozialismus vertieft, seit meiner Cambridger Doktorarbeit zur Exilkünstlerin Hulda Mannheimer, die schon eine geraume Zeit zurücklag. Nach dem Verlust meines langjährigen Freundes und meiner ebenso langen weiblichen Begleitung war ich seit kürzerer Zeit mit Valery als meiner Partnerin und kritischen Leserin zusammengekommen, selbst Kunsthistorikerin wie ich. Und diese Spanne, seit der ich ihr wieder begegnet war, hat mich die Verluste leben und mich erneut dem älteren Thema zuwenden lassen.
Abschließen konnte ich nämlich mit dem Thema der Nazizeit nicht. Es war zu sehr mit mir selbst verwoben. Auch ein beständiges Diskussionsthema mit Valery, auch wenn sie sich manchmal gewünscht hätte, ich könne die Arbeit ab und zu ausblenden. Doch das war leicht gesagt. Für mich war es keine Arbeit; es war das Abtauchen in meine Vergangenheit, in meine dunklen Erfahrungen, die ich mit meinen zwei Brüdern in der Familie machen musste, und nach dem Tod meiner Eltern die verstörende Entdeckung, dass mein Vater in die Geschichte des Nationalsozialismus verstrickt war, die ich studierte. Nein, es war keine Arbeit, es war der Versuch, mit dieser Vergangenheit leben zu lernen, auch das wusste Valery. Und sie bemühte sich darum, mit mir diese Last zu tragen und sie mir leichter zu machen.
Ich hätte den Hirschfeld aus meiner Tasche nehmen, den Mantel anziehen und einfach loslaufen können. Ich tat es nicht. Die Zeit damals war mir zu nah. In die Haut gebrannt. Auch ohne Tätowierung.
Über Hulda war ich auf das Jüdische Kinderkrankenhaus Berlin gestoßen, in welchem Hulda ihren ersten öffentlichen Auftrag erhalten hatte. Nach mehrjähriger Recherche hatte ich zunächst ein Buch über sie, dann über die Geschichte dieser jüdischen Einrichtung, eine der wenigen, die die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte, verfasst. Bei der Bearbeitung dieser Institution begegneten mir die Polizeirätin Martha Mosse und ihre Kollegin Tamar Serach.
Serach hatte mich nicht mehr losgelassen, weil man über Mosse noch mehr wusste, aber Informationen zu Serachs Leben und ihrer Tätigkeit nur schwer zu finden waren, oft nur aus Parallelen zu Mosse zu erschließen. Doch gerade Tamar, wie ich entdeckte, schlug die Brücke zu meinen früheren Arbeiten und verband die verschiedenen Themen miteinander, die mich beschäftigt hatten. Und sie führte mich noch tiefer in meine eigene Geschichte, wie sich zeigen sollte.
Nun war ich Archivarbeit gewohnt. Hatte mich seit Beginn meiner akademischen Karriere mit der Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen beschäftigt, insbesondere mit Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Bildhauerinnen, dann mit Medien und Institutionen. Was sich aus den Akten und Papieren lesen ließ – und was ich zwischen den Zeilen zu sehen meinte –, begann im Jahr 1925.
Damals war Serach 33 Jahre alt. Sie stammte aus einer bekannten Berliner Juristenfamilie, doch nicht einmal ihr Cousin, Sohn eines berühmten Verlegers, der nach Amerika emigrierte und dort ein bekannter Historiker wurde, erwähnt sie in seiner Autobiographie. Sie schien eine namenlose Familienangehörige zu sein.
Erst im Landesarchiv Berlin fand ich nach langen Recherchen Sach- und Personalakten zu Tamar Serach, Material sowohl zu ihrer Ernennung, Beförderung, zu Disziplinarvorgängen als auch zu ihrer Entlassung, und im Archiv der Akademie der Künste persönliche Dokumente zur Zeit vor ihrer Vertreibung aus dem Polizeidienst. Dann im Archiv des Leo-Baeck-Instituts in New York begegneten mir die von ihr getippten „Erinnerungen“, die mir weiterhalfen. Später fand ich weiteres Material, auch persönlich gehaltene Konvolute an Dokumenten, Briefkopien und Eintragungen. Aus diesen versuchte ich mir ihren Werdegang und ihre Erfahrungen zu erarbeiten.
Eines der ersten Zeugnisse führte mich wie die Konquistadoren des frühen 16. Jahrhunderts nach Eldorado, allerdings nicht in das sagenumwobene Land des Goldes in Südamerika.
Dort nämlich wurde der kolumbianischen Sage zufolge beim Herrschaftsantritt des neuen Fürsten dessen Körper mit Goldstaub überzogen. Dann fuhr der Fürst auf einem goldenen Floß, beladen mit Goldgegenständen und Edelsteinen, zur Mitte eines Bergsees. Das Gold wurde ins Wasser versenkt, der Fürst sprang hinterher in die Fluten, wobei sich das Gold von seinem Körper löste und mit dem übrigen Reichtum in die Tiefen sank.
Hier, für Berliner, nicht nur für Berliner Männer, lag Eldorado viel näher. Ebenfalls mit Staub, Stoff und Tüll umhüllt, existierte es tatsächlich und war greifbar, inmitten der Reichshauptstadt, und zwar in Charlottenburg, an der Ecke Kantstraße und Bleibtreustraße. Im Jahr 1924 wurde es im Obergeschoss eines älteren Cafés als Tanzbetrieb eingerichtet. Schon 1926 zog das Eldorado um zur Ecke Martin-Luther-Straße und Augsburger Straße und lud unter demselben Namen Männer wie Frauen, Homosexuelle, Transvestiten und Heterosexuelle, vor allem die bessere Gesellschaft, zu Darbietungen von Tänzern und Tänzerinnen ein.
Dr. Tamar Serach wurde von ihrer Polizeidienststelle an einem Abend wegen eines Diebstahlsfalles in dieses Lokal geschickt. Außerdem wollte sie Beschwerden nachgehen,
die gegen das Etablissement erhoben wurden. Sie wurden von der Gemeinschaft der Andern erhoben, einem Verein von „anständigen Homosexuellen“, die ganz energisch dagegen protestierten, „daß sie mit solchen Menschen, die in diesem Lokal verkehren, gleichgesetzt“ würden. Zum Aufgabengebiet Dr. Serachs gehörte auch die Aufsicht der unter den § 175 fallenden Verfehlungen und damit auch die Frage, ob solcherlei an dieser Vergnügungsstätte festzustellen wären.
In Dr. Serachs Vorrecherchen war ihr die Akte des Klageführers, Ernst Julius Röhm, begegnet. Er war bereits im Jahr 1924 in verschiedenen Berliner Nachtclubs gesichtet worden, etwa dem Kleist-Kasino, der Silhouette, der Internationalen Diele und eben dem Eldorado. In Dampfbädern habe er unter anderen Männern homosexuellen Verkehr gehabt, was ihm jedoch nie schlüssig nachgewiesen werden konnte. Aber einmal hatte er sich selbst im Jahr 1925 aktenkundig gemacht, der Fall, den Dr. Serach jetzt zu verfolgen hatte. Röhm zeigte einen Strichjungen namens Hermann Siegesmund des Diebstahls an. Dieser Junge habe sich in einem Hotelzimmer Röhms aufgehalten und ihm seinen Gepäckaufbewahrungsschein gestohlen, um damit seinen Koffer zu entwenden.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, hatte Dr. Serach die verschiedenen Etablissements besucht, Erkundigungen eingezogen, Inhaber und Besucher und auch den von Röhm Belasteten verhört. Im Eldorado wurde sie gleich fündig und konnte eine Aussage des von Röhm Beschuldigten zu Buche nehmen. Siegesmund führte aus, er sei am besagten Tag von Röhm auf sein Zimmer gebeten worden, habe auch über Nacht bleiben sollen, doch als Röhm nicht nur Liebeleien von ihm wollte, wofür er ihn hatte bezahlen sollen, sondern darüber hinaus ihn zu homosexuellem Geschlechtsverkehr habe drängen wollen, sei es ihm, Siegesmund, zu heiß geworden. Anschließend sei es ihm gelungen, sich dem kräftigen, ehemaligen Soldaten Röhm zu entwinden, noch bevor es zu dem Delikt gekommen sei. Dr. Serach hatte den Fall zu den Akten genommen, aber den Diebstahlsversuch nicht weiter verfolgt, eine Verletzung des § 175 sah sie nicht gegeben.
Nur die Presse lachte über den Fall:
„Bleibst du in Berlin bei Nacht,
dann gib auf deinen Koffer acht!
Die Polizei geht still vorbei,
sie sieht – und sieht doch einerlei.“
Die SA nutzte den „Fall Röhm“, um in großem Umfang homosexuelle Männer im Reich aufzuspüren, sie zu verfolgen, „homosexuelle Cliquen“ aufzumischen und sie zu „Staatsfeinden“ zu erklären. Noch war das Strafmaß des § 175 auf fünf Jahre begrenzt, bevor es in den dreißiger Jahren auf Zuchthaus bis zu zehn Jahren angehoben wurde und man nicht mehr nur Analverkehr, sondern jegliche „Unzucht“ verfolgte und jährlich um die 8.000 Männer verurteilte. Doch noch war Dr. Serach für die Auslegung in Berlin zuständig.
Im Dienst bei Hartung
13. Oktober 1926.
Den Antwortbrief – adressiert an den Verlag der Gefährtin – in der Hand, ging sie zum großen Postamt am Alex und kaufte eine Marke. Ohne Zögern gab sie den Brief auf. Danach betrat sie das Polizeipräsidium, um den Tages- und Wochenplan einzusehen. Auf dem Flur grüßte sie schon ein Kollege: „Herzlichen Glückwunsch, Frau Polizeirätin!“
„Oh“, antwortete sie, „ist es schon offiziell?“
„Wir durften heute Morgen eine Glückwunschkarte an Sie unterschreiben.“
Dr. Serach war erstmals verlegen, was ihr selten geschah. Sie bedankte sich und betrat geradenschritts ihr Büro. Die Kollegen erhoben sich von ihren Stühlen, applaudierten und gratulierten ihr. Tatsächlich leuchtete auf ihrem Schreibtisch über Terminkalender und Akten eine große Glückwunschkarte. Daneben lehnte ein kleiner Briefumschlag mit dem Absender: Der Preußische Minister des Innern. Min. pers.
„Oh, der Minister persönlich?“
Ihre Kollegen schmunzelten. Sie öffnete behutsam das Kuvert und die Männer, die um sie herumstanden, forderten sie auf, den Text laut vorzulesen.
Fräulein Dr. Tamar Serach. Berlin. Polizeipräsidium
Wertes Fräulein Dr. Serach!
Haben Sie vielen Dank für die Glückwünsche zu meiner Ernennung. Ich bin doppelt glücklich, weil ich nun für Sie erreicht habe, worauf Sie meiner Meinung nach längst Anspruch hatten. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Beförderung und Ernennung zur Polizeirätin.
Mit vorzüglicher Hochachtung und freundlichen Grüßen
Ihr sehr ergebener
Grzesinski
Sie war keine Frau großer Reden. Bedankte sich kurz bei den anerkennenden Gesichtern und verwies auf das Außergewöhnliche des Aktes: „Ich nehme stellvertretend für die vielen Frauen in der Polizeiarbeit die Beförderung zur Polizeirätin an. Preußen hat einen wichtigen Schritt mit dieser Beförderung getan. Sie ist weniger eine Anerkennung meiner Person als vielmehr die der Frau. Denn Frauen bilden nicht nur in traditionellen Rollen vielfach Stützen des Landes, sie tun es auch in anderen gesellschaftlichen Feldern. Die Beförderung ist eine Feststellung dafür, dass auch Frauen in Preußen und Preußen mit Frauen eine Zukunft haben.“
Die Kollegen klatschten ihr Beifall, der einzigen Frau neben Dr. Martha Mosse in ihrer Abteilung. Auch Dr. Mosse gratulierte ihrer Kollegin und freute sich darüber, dass sie nun zu zweit als Polizeirätinnen mit ihrer Dienststelle eine besondere Position innerhalb der Berliner und der Preußischen Polizei geschaffen und eine Speerspitze für Frauen gebildet hatten. Es war sogar mehr – zugleich ein Akt weiblicher Selbstüberwindung innerhalb einer bislang von Männern beherrschten Domäne.
Bescheiden nahm Dr. Serach ihren Platz hinter dem Schild mit dem neuen Dienstrang ein, sortierte ihre Akten und verabschiedete sich zum ersten Termin an diesem Tag.
Sie hatte das Verlagsbüro Wilhelm Hartung in Berlin-Wilhelmshagen im Visier, auch den Arzt und vielgelesenen Autor Dr. Jakob Rosenhain, und wollte anschließend zu Sylvia Enner, der Redakteurin der Frauenfreundschaft, die dieses und ähnliche Blätter betreute.
Nachdem die Reichsregierung an einer Gesetzesvorlage arbeitete „zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzliteratur“, in den vergangenen Wochen in Hamburg die Polizei einschlägige Zeitschriften wie Die Insel, Die Freundschaft, Die Freundin und Die Gefährtin für den öffentlichen Straßenverkauf verboten hatte und auch in München das Freundschaftsblatt aus den Schaufenstern von Geschäften verschwunden war, sollte Dr. Serach für Berlin eine Voruntersuchung einleiten, ob und wenn ja, welche Maßnahmen für die Hauptstadt zu treffen seien.
In der Straßenbahn auf dem Weg zum Alex und von dort mit der Stadtbahn nach Wilhelmshagen las sie die Notizen durch, die sie sich in den vergangenen Tagen zu Wilhelm Hartung angelegt hatte.
Hartung war Anfang fünfzig, hatte schon seit Jahren die Zeitschrift Der Andere herausgegeben. Im Polizeiregister fand Dr. Serach einen Eintrag aus dem Jahr 1900, dass Hartung für 12 Monate im Gefängnis sitzen musste, weil er einen Reichstagsabgeordneten „symbolisch“ und „thätlich“ angegriffen hatte. Erneut wurde er 1905 zu einer zweimonatigen Gefängnisstrafe wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften verurteilt, 1907 schließlich zu weiteren anderthalb Jahren, nachdem er öffentlich gemacht hatte, dass Reichskanzler Bernhard von Bülow in einer homosexuellen Beziehung lebe. Noch andere Bekanntgaben und Verurteilungen Hartungs fand Dr. Serach in der Kartei.
Bedenklich stimmte Dr. Serach, dass Hartung seit 1903 Gründungsvorsitzender und Präsident der Gemeinschaft der Anderen war, die nicht nur homosexuelle Liebe von Männern propagierte und für die Abschaffung des § 175 kämpfte, sondern sich auch für die Fortführung der griechisch-antiken Knabenliebe einsetzte. Wieso, fragte sich Dr. Serach, geht es ihm nur um gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern, nicht auch um die unter Frauen? Wieso setzt er sich dem Verstoß gegen den Schutz von Minderjährigen aus, warum gefährdet er sich und diese Gesellschaft? Es beruhigte sie lediglich, dass Hartung seit seiner Eheschließung mit einer Krankenschwester im Jahr 1920 seltener in der Öffentlichkeit aufgefallen war.
Hartung war kritisch gegenüber den ärztlichen Erkenntnissen von Dr. Rosenhain eingestellt, die dieser bis auf Details mit Dr. Hirschfeld teilte. Diese sahen Homosexualität als biologisch angelegt. Dr. Serach hatte Passagen dieser Einschätzung angestrichen und am Rand hinzugefügt: „Nicht erst von Hirschfeld und Rosenhain, schon im 19. Jahrhundert von dem französischen Nervenarzt Claude François Michéa erkannt.“ Dr. Rosenhains Theorie zufolge gab es keinen Zwiespalt zwischen Männlichem und Weiblichem. Anstelle dessen schlug er wie Hirschfeld sexuelle Zwischenstufen vor mit etwas dazwischen, was, wie er meinte, nicht gerade sehr treffend als ein mittleres, drittes Geschlecht bezeichnet wurde, wie es im Titel eines Buches von Dr. Hirschfeld hieß.
Welchen Eindruck Hartung, Dr. Rosenhain und Enner auf sie machen würden?
Sie war schließlich an der zweistöckigen Familienvilla Hartungs in der Bismarckstraße angekommen, staunte über das hinter dem eisernen Zaun gelegene bürgerliche Anwesen mit seinem griechischen Portiko samt Architrav. Anders und eigen wirkte Hartung tatsächlich auf sie, nachdem seine Frau ihr die Tür geöffnet hatte, oder weniger eigentümlich als vielmehr exzentrisch – und er trug seine Exzentrik vor sich her. Mit großer Geste lud sie der Mann, der einen Schnauzer und seine Haare wie Nietzsche trug, ein, durch das Haus in den Garten zu treten, in dem er seinen Verlag und sein Fotoatelier in einem Hintergebäude untergebracht hatte. Hinter einem kleinen Schreibtisch und vor einer Regalwand mit Verlagsprodukten, Zeitschriftennummern, Bänden und Fotoarbeiten an den weiteren Wänden saß ein junger Mitarbeiter, den Hartung ihr als Arthur Kleinow vorstellte. Sein Gesichtsausdruck war weich, er hatte tiefe Augen, enganliegende Ohren, nach allen Seiten abstehende Haare. Als Kontrast zu seiner ausgeprägten jugendlichen Schönheit diente die kurze Pfeife, die er in der Hand hielt und ab und zu zwischen seine Lippen führte, als ob er bereits seit vielen Jahren, wenn nicht – entgegen seiner Jugend – seit Jahrzehnten, Pfeifenraucher gewesen wäre; gelbe Zähne zeigten sich, die der Rauch ab und zu frei gab.
„Meine treueste Stütze“, fügte Hartung hinzu, während Kleinow ihn innerlich berührt anstrahlte, „vor allem auch durch all die schwierigen Jahre, die der Verlag schon hinter sich hat.“
„Frau Polizeirätin Dr. Tamar Serach“, stellte er sie seinem Mitarbeiter vor, „sie kommt, um unsere jüngsten Publikationen zu sichten und unsere Aktivitäten zu prüfen.“
Kleinow verdrehte die Augen, und Dr. Serach fragte sich, ob er sie als Frau oder als Polizeirätin ansah. Leicht von unten und schräg, wie sie empfand. Sie ging über diesen Eindruck ohne Bemerkung hinweg: „Gewiss haben Sie“, sagte sie zu Hartung, „schon einen gewissen Katalog an Einträgen in unserer Kartei, aber mein Auftrag heute ist es nicht zu intervenieren. Wir sind von der Regierung angehalten, Vorermittlungen zu führen. Nicht im Hinblick auf Ihren Verlag und dessen Veröffentlichungen, auch nicht auf Ihre Vereinigung der Gemeinschaft der Anderen – es geht vielmehr darum, dass wir ein beratendes Gutachten für die Legislative vorbereiten, wie künftig der Kinder- und Jugendschutz im Reichsgebiet besser geregelt werden soll, trotz des fortbestehenden Ländervorbehalts. Und da stellen sich Fragen wie: Dienen ihre Publikationen und Handlungen zu ihrer Bildung oder sittlichen Gefährdung, also – und das ist die Frage, die uns heute interessiert – fallen solche Aktivitäten unter die Strafparagraphen §§ 175-184, insbesondere Fragen der strafbaren Homosexualität, der Erregung öffentlichen Ärgernisses und der Verbreitung unzüchtiger Schriften oder können sie als Ausdruck der öffentlichen Presse- und Meinungsfreiheit und des künstlerischen Schaffens nach § 118 der Weimarer Reichsverfassung gelten. Mehr noch, wie müsste die Gesetzeslage geändert werden, damit Ihre Schriften dann nicht unter einen dieser Strafparagraphen fallen, wenn sie nach heutiger Auffassung augenscheinlich keine Gefahr für die Jugend darstellen.“
„Puh, das war ein Bündel an Informationen, lassen Sie mich bitte kurz nachdenken. Habe ich Sie richtig verstanden, es geht jetzt nicht um mich, um uns hier im Verlag, sondern darum, ob und falls – wie sich an den Gesetzen etwas ändern soll?“
Dr. Serach nickte.
„Das erleichtert mich“, sagte Hartung und schaute zu seinem Mitarbeiter, „zeige der Frau Dr. Polizeirätin unsere jüngsten Nummern!“
Kleinow griff in eine Schublade seines Schreibtischs, kramte zwei, drei Zeitschriftenhefte hervor und legte sie vor die Polizeirätin mit dem Titelbild nach unten.
„Hier die jüngsten Ausgaben“, sagte er etwas verschämt, „die sind eigentlich für Männer gedacht“, gab er zu bedenken.
„Ich bin nicht zimperlich – dieses Material ist mein tägliches Brot“, versicherte Dr. Serach, nahm sich einen Stuhl, setzte sich vor den Schreibtisch, Hartung stand neben ihr und schaute über ihren Rücken, während sie das erste Heft umdrehte und sich das Titelbild betrachtete. Aktstudie 5 war dieses unterschrieben. Ihr war sofort aufgefallen, dass der sie anblickende nackte Jüngling, der, stehend und die Hände erhoben, einen Backstein stemmte, wodurch seine Brustmuskeln schattenwerfend hervortraten, kein anderer war als der junge Mann, der ihr gegenübersaß.
„Ästhetische Figur“, kommentierte die Polizeirätin, ohne auf ihr Gegenüber zu sehen.
„Kunstdarstellung“, meinte Hartung, während Kleinow schwieg.
Dr. Serach blätterte weiter und stieß auf den ersten Beitrag, der überschrieben war mit „Über das Geschäft der moralischen Scharfrichter. Anmerkungen zum sogenannten Schundschutz“. Sie las:
Das sogenannte Schundschutzgesetz, hervorgegangen aus Initiativen der Jugendbewegung, hatte ein begrenztes Ziel: die Jugend vor tatsächlicher Trivial- und Minderwertliteratur zu bewahren, bei der von künstlerischem oder geistigem Gehalt keine Rede sein kann, und Raum zu schaffen für ernsthafte Schriften von bleibendem Wert aus der Feder anerkannter Schriftsteller.
Es war keineswegs dazu bestimmt, als Sittlichkeitswerkzeug kirchlicher oder politischer Rückwärtsgewandtheit zu dienen oder jenen zweifelhaften Kreisen Vorschub zu leisten, die im Dunkel wirken und nunmehr begonnen haben, dieses Gesetz an sich zu ziehen. In ihren Händen wird es gegen Aufklärung, geistige Freiheit und gesellschaftlichen Fortschritt missbraucht.
„Mit der Position, die hier vorgetragen wird, muss die Polizei nicht übereinstimmen, aber es lässt sich kaum bestreiten, dass hier eine Ansicht geäußert wird, die deutlich ist, man könnte sie auch als polemisch gefärbt beschreiben, doch scheint mir unbestreitbar, dass es sich um einen Beitrag zur Meinungsbildung handelt.“
Hartung war gespannt, ob sich die entlastende Einschätzung der Polizeirätin auch auf seine Aktstudien beziehen würde. Doch er traute sich nicht, auf diese hinzuweisen.
Dr. Serach kam von sich aus auf sie zu sprechen: „Was die Fotoaufnahmen betrifft, würde ich sie der Kunstsparte zuweisen. Zwar ist der Jüngling nackt gezeigt, auch unter Einschluss seiner Genitalien, doch sind diese nicht erigiert dargestellt und allenfalls die Muskulatur des Brustkorbs könnte man als überdeutlich gezeichnet beurteilen. Aber wer könnte sich an einer Männerbrust stoßen?“
Hartungs Miene hellte sich weiter auf.
„Kritisch, nicht im Sinne einer möglichen Strafbarkeit, auch sicherlich nicht im Hinblick auf die gesetzliche Neufassung – eher als Frau, die sich im Staatsdienst bewährt hat und als Meinung einer solchen – frage ich Sie, ob es dienlich ist, von ‚kraft- und saftloser Schönfärberei und weibischer Unwahrhaftigkeit in Literatur und Kunst‘ zu schreiben, dann von ‚übergeschnappten hysterischen Weibern‘ und einer ‚ekelhaften Weiberwirtschaft.‘ Besteht die Stärke der Männlichkeit nur in der Herabsetzung der Weiblichkeit?“
Dr. Serach wies mit ihrem Finger auf eine Stelle im Heft, das sie in Händen hielt. „Seien Sie froh, dass heute eine promovierte Juristin die Voruntersuchung bei Ihnen vornimmt, ich kenne Kollegen, die erziehungsbedingt weniger objektiv urteilen würden. Aber, wie gesagt, ich bin nicht zum Zwecke der Prüfung hier – nehmen Sie meine Bemerkungen als wohlgemeinten Rat einer Frau für die Zukunft.“
Hartung war sonst kaum auf den Kopf gefallen, wusste in diesem Augenblick aber nicht, wie und was er antworten sollte. Er räusperte sich, überlegte, ob es klug sei, dagegen zu halten oder still die Einschätzung zu akzeptieren.
Dr. Serach kam ihm zuvor: „Sie fordern ja eine kritische Auseinandersetzung, die würde ich mir auch im Blick auf Ihre eigenen Positionen wünschen. Lassen Sie mich noch eine positive Kritik anfügen. Mir ist aufgefallen, dass Sie sich für Theodor Lessing einsetzen und sich gegen antisemitisch gefärbte Verleumdungen stellen. Das rechne ich Ihnen hoch an.“
Dr. Serach wartete erst gar nicht darauf, dass sich Hartung eine Replik zu ihren Einwänden zurechtlegen würde.
„Schicken Sie mir Ihre nächste Nummer ins Revier – und ich werde sehen, ob und wie Sie auf meine Meinung eingehen.“
„Sie können gerne die jüngste Ausgabe behalten und zu Ihren Akten nehmen.“
Sie steckte das Heft in ihre Arbeitstasche, reichte Hartung und Kleinow die Hand: „Bleiben Sie im rechtlichen Rahmen“, verabschiedete sich die Polizeirätin. Hartungs Frau begleitete sie durchs Haus zur Tür.
